Kurz beantwortet: Matomo passt, wenn Sie die Daten selbst hosten und kontrollieren wollen. Piwik PRO passt, wenn Sie Analytics, Tag Manager und Einwilligungsverwaltung aus einer Hand als Cloud-Dienst wollen. Google Analytics 4 passt, wenn Ihre Werbekonten bei Google laufen und die Auswertung direkt in Google Ads ankommen soll. Eine Rechtsberatung ersetzt dieser Vergleich nicht, die Einwilligungsfrage entscheidet sich an Ihrer Konfiguration.
Die Wahl des Analytics-Werkzeugs entscheidet, welche Zahlen Sie in einem Jahr noch haben, wer Zugriff auf Ihre Besucherdaten hat und ob Ihr Werbebudget auf belastbaren Messwerten steuert. Der Vergleich der Analytics-Tools Matomo, Piwik PRO und Google Analytics 4 folgt den Kriterien, die in Entscheidungsrunden den Ausschlag geben. Das sind Hosting, Datenhoheit, Aufbewahrung, Einwilligung und die Anbindung an die Werbekanäle. Die Aussagen zu den Produkten stammen aus den Herstellerseiten und der Dokumentation, jeweils mit Quelle. Herstellerangaben bleiben Herstellerangaben und sind nicht unabhängig geprüft.
Matomo, Piwik PRO und GA4: Was die Werkzeuge unterscheidet
Die drei Werkzeuge messen Besuche, Seitenaufrufe und Ereignisse auf Ihrer Website. Der Unterschied liegt im Betriebsmodell. Daran hängt, wem die Daten gehören und wer sie verarbeitet.
Matomo ist laut Hersteller Open Source. Die Software lässt sich auf eigenen Servern betreiben, Matomo nennt das „On-Premise“, oder als gehostete Variante nutzen, die Matomo Cloud mit Servern in der EU. Laut Matomo ist die selbst gehostete Variante kostenlos, bestimmte Premium-Erweiterungen kosten extra. Ein Consent-Manager und ein Tag Manager sind laut Matomo integriert.
Piwik PRO ist ein kommerzieller Dienst. Der Hersteller bewirbt auf seiner Website vier Bausteine: Analytics, Tag Manager, Consent Manager und Data Activation, also das Auslösen von Aktionen auf Basis des Nutzerverhaltens. Hostingdetails nennt die Startseite nicht. Das Matomo-Vergleichsangebot behauptet, Piwik PRO sei nicht mehr Open Source, biete kein On-Premise mehr an und betreibe seine Cloud in Schweden. Diese Angaben stammen von einem Wettbewerber und sollten Sie vor einer Entscheidung beim Anbieter selbst abfragen.
Google Analytics 4, kurz GA4, ist der Analytics-Dienst von Google. Laut eigener Hilfe handelt Google dabei als Auftragsverarbeiter. Sie bleiben Verantwortlicher im Sinne der DSGVO. Das Werkzeug lässt sich mit anderen Google-Diensten verknüpfen, vor allem mit Google Ads. Wie GA4 im Detail funktioniert, haben wir in unserem Beitrag zu Google Analytics 4 erklärt.
Der Vergleich in der Tabelle
| Kriterium | Matomo | Piwik PRO | Google Analytics 4 |
|---|---|---|---|
| Betrieb | Selbst gehostet oder Matomo Cloud (EU) | Cloud-Dienst, Details laut Anbieter erfragen | Cloud-Dienst von Google |
| Lizenz | Open Source, selbst gehostet laut Matomo kostenlos | Kommerziell | Standard-Property und 360-Property |
| Datenhoheit | Laut Matomo bleiben die Daten bei Ihnen und werden nicht an Dritte weitergegeben | Laut Anbieter Verhaltensdaten unter Ihrer Kontrolle, Zugriff per Oberfläche, API oder Export | Google ist Auftragsverarbeiter, Sie sind Verantwortlicher |
| Aufbewahrung der Rohdaten | Selbst gehostet laut Matomo unbegrenzt, in der Cloud 24 Monate | Beim Anbieter erfragen | 2 oder 14 Monate auf Ereignisebene |
| Tag Manager und Einwilligung | Beides integriert | Beides als eigene Bausteine | Google Tag Manager separat, Einwilligung über ein Consent-Tool Ihrer Wahl |
| Anbindung an Google Ads | Über Schnittstellen und Importe, mehr Aufwand | Über Schnittstellen und Importe, mehr Aufwand | Direkte Verknüpfung möglich |
| Eignung | Teams mit eigener IT und hohem Anspruch an Kontrolle | Teams, die einen Anbieter für alles wollen | Teams mit Google-Ads-Schwerpunkt |
Die Zeile zur Google-Ads-Anbindung ist unsere Einschätzung aus Projekten, keine Herstellerangabe. Wer bei Matomo oder Piwik PRO Conversions an Werbekonten zurückspielen will, plant dafür eine eigene Schnittstelle ein.
Datenschutz und Einwilligung: Was der Gesetzestext verlangt
Der Rechtsrahmen gilt für die drei Werkzeuge gleichermaßen. Nach § 25 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes (TDDDG) braucht das Speichern von Informationen auf dem Endgerät eines Nutzers oder der Zugriff darauf in der Regel eine Einwilligung. Die Ausnahme gilt, wenn der Vorgang unbedingt erforderlich ist, damit der Anbieter einen vom Nutzer ausdrücklich gewünschten Dienst bereitstellen kann. Die Einwilligung muss auf klaren und umfassenden Informationen beruhen und den Vorgaben der DSGVO entsprechen.
Das Werkzeug allein entscheidet also nicht über die Rechtslage. Entscheidend ist, ob Ihre Konfiguration Cookies setzt oder Informationen aus dem Endgerät ausliest. Matomo schreibt dazu auf der eigenen Dokumentationsseite, bestimmte Konfigurationen ließen sich ohne Einwilligung für Analysezwecke nutzen, und verweist auf einen eigenen Leitfaden zu ePrivacy und nationalen Umsetzungen. Als Alternative nennt Matomo Tracking ohne Cookies. Ob eine solche Konfiguration in Ihrem Fall ohne Banner auskommt, bewerten im Zweifel Ihre Datenschutzbeauftragten, nicht der Hersteller.
Bei GA4 verweist Google darauf, dass bei der Datenerhebung keine IP-Adressen protokolliert oder gespeichert werden. Das beantwortet nicht, ob eine Einwilligung nötig ist, und nicht, wie internationale Datenübertragungen zu bewerten sind. Google verlinkt dafür eine eigene Seite zu Datenübertragungen. Für Werbetreibende gilt zusätzlich der Einwilligungsmodus, den wir im Beitrag zu Enhanced Conversions in Verbindung mit Cookie-Bannern eingeordnet haben.
Aufbewahrung und Vergleichbarkeit über die Jahre
Bei GA4 lässt sich die Aufbewahrung von Ereignisdaten laut Google-Hilfe auf 2 oder 14 Monate einstellen. Bei großen Properties kann Google die Dauer automatisch auf 2 Monate kürzen. Daten zu Alter, Geschlecht und Interessen bleiben unabhängig von den Einstellungen 2 Monate gespeichert. Wer Jahresvergleiche in der Oberfläche braucht, prüft deshalb die Einstellung früh.
Matomo nennt für selbst gehostete Installationen keine Begrenzung, in der Cloud werden Rohdaten 24 Monate gespeichert. Für langfristige Zeitreihen ist das ein echter Unterschied. Der Preis dafür ist der Betrieb: Wer selbst hostet, kümmert sich um Updates, Datensicherung und Serverlast.
Für den Vertrieb zählt am Ende nicht die Besucherzahl, sondern die Zahl der Anfragen, die einem Kanal zugeordnet werden können. Alle drei Werkzeuge können Ereignisse wie eine Formularabsendung erfassen. Unterschiede entstehen bei der Frage, wohin diese Information weiterfließt: in die Werbekonten, in das CRM oder nur in einen Bericht. Prüfen Sie deshalb vor der Wahl, welchen dieser Wege Sie tatsächlich brauchen.
Welches Werkzeug zu welchem Unternehmen passt
Die Entscheidung folgt selten dem Funktionsumfang. Sie folgt drei Fragen.
Läuft Ihr Werbebudget überwiegend über Google Ads? Dann spricht vieles für GA4, weil Auswertung und Gebotssteuerung dieselbe Datenbasis nutzen. Mit sauberer Kampagnenkennzeichnung, wie sie unser Beitrag zu UTM-Parametern beschreibt, ordnen Sie Anfragen ihrem Kanal zu.
Haben Sie eine IT-Abteilung, die einen eigenen Server betreibt? Dann ist selbst gehostetes Matomo eine Option, vor allem wenn interne Vorgaben Daten außerhalb des eigenen Rechenzentrums ausschließen. Ohne diese Kapazität wird aus der Kostenersparnis schnell ein Betriebsrisiko.
Wollen Sie einen Ansprechpartner für Messung, Tag Management und Einwilligung? Dann lohnt sich der Blick auf Piwik PRO oder auf Matomo Cloud. Beide Wege sparen eigenen Betrieb, verlangen aber, dass Sie Hosting, Vertragsbedingungen und Funktionsumfang vor dem Start schriftlich klären.
Ein Mittelweg ist der parallele Betrieb: GA4 für die Werbesteuerung, ein zweites Werkzeug für datenschutzsensible Auswertungen. Das verdoppelt allerdings Pflegeaufwand und Fehlerquellen. In unserer Praxis lohnt es sich nur, wenn jemand die Zuständigkeit für beide Systeme übernimmt.