Wie verringere ich die Absprungrate in meinem Blog?

Betreiber von Internetseiten und Webshops kennen das Problem. Man richtet einen Blog ein, der dem Benutzer Informationen oder Anregungen bietet. Mühsam füttert man ihn in wöchentlichem Turnus mit mehr oder weniger spannenden Inhalten (den Blog, nicht den Benutzer). Zur Freude der Geschäftsführung und der SEOs generiert der Firmenblog auch Rankings bei Google, doch ein Großteil der User verlässt die Seite direkt wieder, ohne sich näher mit dem Angebot zu beschäftigen. Wenn Sie an dieser Stelle die Stirn in Falten legen und nachdenklich mit dem Kopf nicken, sollten Sie sich unbedingt der Absprungrate widmen.

Wozu brauche ich einen Blog?

Die Gründe, für die Einrichtung von Blogs können vielfältig sein. Vor allem im B2B-Bereich setzt man sie gerne ein, um typische Kundenfragen zu beantworten, den Expertenstatus zu stärken und Vertrauen aufzubauen, frei nach dem Motto „Wer sich auskennt, schreibt darüber“. Auch der SEO freut sich zumeist über den Firmenblog, liefert der doch häufig zusätzliche Platzierungen bei den Suchmaschinen. Es ist inzwischen eine Binsenweisheit, dass guter Content unerlässlich für gute Rankings ist.

Shopbetreiber scheuen aber häufig davor zurück, die Startseite oder Kategorieseiten mit Content zu ergänzen. Der übliche Einwand lautet „Das will doch keiner lesen“. Spätestens hier sollte man über einen internen Bereich mit Informationen oder News nachdenken. Dort lassen sich auch die typischen W-Fragen beantworten, beispielsweise „Wie setze ich Produkt XY ein?“ oder „Welches Produkt brauche ich, um XY zu machen?“.

Definition der Absprungrate

Die Absprungrate (auch Bounce Rate genannt) ist eine Kennzahl aus der Webanalyse. Sie ist der Quotient aus Sitzungen mit einer einzigen Interaktion und der Gesamtzahl der Sitzungen. Vereinfacht ausgedrückt sind das die Besucher, die unsere Seite direkt wieder verlassen haben, ohne sich weitere Seiten anzusehen.

Haben Sie beispielsweise 10.000 monatliche Besucher auf Ihrer Seite, von denen aber 6.500 nach Aufruf der ersten Seite wieder abspringen, so haben Sie eine Absprungrate von 6.500 / 10.000 = 65%.

Der Begriffe „Bounce Rate“ kommt aus dem Englischen (Bounce = Abprallen). Der Besucher kommt auf die Seite und prallt dann wie ein Gummiball ab, wenn er die Seite verlässt.

Wie kommt ein Absprung zustande?

Ein Absprung kann auf verschiedene Arten zustande kommen. User verlassen die Seite wenn Sie

  • das Browserfenster oder den Tab schließen
  • auf einen externen Link klicken
  • den Zurück-Button im Browser klicken
  • manuell in der Adresszeile des Browsers eine neue URL eintragen und aufrufen

Auch Kurzbesuche (5 bis 10 Sekunden) oder Time-out-Fehler können hier mit dazugerechnet werden.

Woraus resultieren Kurzbesuche?

So genannte Kurzbesuche können mannigfaltige Ursachen haben und sind nicht per se negativ.

  • Content entspricht inhaltlich nicht dem Gewünschten (falsche Sprache, Thema oder Content)
  • schlechtes oder unpassendes Design
  • Schlechte Navigationsmöglichkeiten
  • Lange Ladezeit
  • Gesuchte Informationen wurden sofort gefunden

Wenn Benutzer über eine Suchanfrage mit spezifischer Problemstellung auf unsere Seite gelangen und keine adäquate Lösung für ihr Problem finden, werden sie vermutlich abspringen und die Seite verlassen. Je nach Zielgruppe kann das Design einer Seite beim Nutzer Unbehagen auslösen und einen Absprung bewirken. Der nachfolgende Screenshot einer (erfolgreichen) norwegischen Seite zeigt, dass es in Bezug auf Design unterschiedliche Geschmäcker gibt.

Design, eine Frage des Geschmacks

Design, eine Frage des Geschmacks

Probleme in der Navigation können daraus resultieren, dass die Seite nicht richtig auf Mobilgeräten betrachtet werden kann und daher Nutzer von Smartphones direkt wieder abspringen. Auch die bis Ende der 90er Jahre beliebten HTML-Frames bringen immer wieder Probleme mit sich. Der potentielle Kunde, der über ein Suchergebnis auf eine Frame-Seite kommt, bekommt im schlimmsten Fall eine Seite ohne Navigationsmöglichkeiten. Die Nutzung des Animatiosnprogramms Flash beim Webdesign kann sich nachteilig auswirken, wenn der User das Betrachtungsprogramm nicht installiert hat und keine Inhalte auf unserer Seite vorfindet.

Ein wenig bekannter Grund für einen Absprung ist die Möglichkeit, dass Besucher auf der ersten Seite bereits den gewünschten Content finden und daher unseren Webauftritt wieder verlassen. Hierzu ein Beispiel aus eigener Praxis. Vor einigen Jahren war ich als SEO für einen Anbieter von Online-Lotto tätig. An bestimmten Wochentagen hatte die Seite eine Absprungrate von über 90% zu verzeichnen, was in der Chefetage für Unverständnis sorgte. Der Grund dafür war aber recht banal. Die Nutzer, die am Sonntag oder Donnerstag auf die Seite kamen, wollten nur kurz die gezogenen Lottozahlen prüfen.

Betreiber von Wetterseiten kennen dieses Problem ebenfalls. Besucher checken kurz das Tageswetter, um dann wieder die Seite zu verlassen.

Wie lässt sich die Absprungrate ermitteln?

Die Bounce Rate können Sie mit den gängigen Analyse-Tools wie Google Analytics ermitteln. Diese lässt sich durch geschicktes Auswählen und Filtern auch auf einzelne URLs und Verzeichnisse herunterbrechen. So können Sie leicht ermitteln, welche Seiten und Verzeichnisse besonders hohe Absprungraten aufweisen.

Absprungrate in Google Analytics

Absprungrate in Google Analytics

Welche Absprungraten sind normal?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Wie vorhin beschrieben, gibt es durchaus Seiten, bei denen hohe Absprungraten im Einzelfall üblich sind. Da sich hohe Absprungraten negativ auf unsere Rankings auswirken können, sollte es unser Ziel sein, die Zahl der Absprünge zu minimieren.

Der Anbieter Quicksprout hat in einem lesenswerten Artikel Erfahrungswerte für „normale“ Absprungraten veröffentlicht.

  • Content-Seiten: 40-60%
  • Lead Generierung: 30-50%
  • Blogs: 70-98%
  • E-Commerce Seiten: 20-40%
  • Service-Seiten: 10-30%
  • Landingpages: 70-90%

(Quelle: https://www.quicksprout.com/2014/04/17/how-to-decrease-your-bounce-rate/)

Die Abweichung zwischen Blogs und E-Commerce Seiten springt sofort ins Auge, lässt sich aber leicht erklären. Angenommen ich suche bei Google nach „Rosswager Halde 401“ (ein exzellenter Rotwein). Wenn die Beschreibung des Artikels mich nicht überzeugt, ist die Wahrscheinlichkeit dennoch groß, dass ich mir andere Rotweine bei dem Anbieter ansehe. Vielleicht harmoniert ja eine andere Sorte mit meinem Gaumen und meinen Erwartungen.

Einen Blog besuche ich in der Regel, weil ich ein konkretes Problem oder eine Frage habe. Ist diese Frage beantwortet, verlasse ich die Seite im allgemeinen wieder. Wenn ich mit einer Suchanfrage und einer konkreten Kaufabsicht in einem sehr textlastigen Blog eines Webshops lande, werde ich eventuell auch nach der ersten Seite den Shop verlassen, da der Blogartikel meinem Konsumwunsch nicht entspricht (Ich möchte kaufen, nicht lesen).

Wie kann ich die Absprungrate verbessern?

Wir hatten vorhin bereits einige Gründe für sofortige Absprünge kennengelernt.

Content
Der Inhalt sollte hochwertig sein und die Erwartungen der Besucher erfüllen. Bleiwüsten ohne optische Auflockerung durch Schaubilder, Grafiken und Fotos (je nach Thema) sind ein sicherer Garant für schnelle Absprünge. Gibt es weitere Seiten innerhalb Ihres Blogs, die thematisch passend sind, kann eine interne Verlinkung nicht schaden.

Der Content sollte die Erwartungen des Besuchers erfüllen. Wenn ich nach trockenem Rotwein suche, möchte ich auch den entsprechenden Content geliefert bekommen.

Die nachfolgende Seite liefert mir nach Eingabe von „trockener Rotwein“ folgendes Ergebnis.

Schöne Seite, jedoch knapp am Thema vorbei

Schöne Seite, jedoch knapp am Thema vorbei

Ein Herr mit Anzug, Fliege und Zigarre als Titelbild, offeriert werden edle Schuhe und Gürtel aus Straußenleder. Unten findet sich der zugehörige Artikel, der auch halbtrockene und liebliche Rotweine behandelt. Das Design der Seite mag hochwertig sein, der Content entspricht jedoch nur wenig meiner Suchanfrage (“trockener Rotwein”). Wenn ich nicht gerade in Stöberlaune bin, bin ich schneller von der Seite weg, als ein Päckchen Butter in der Wüstensonne.

Design
Das Design des Blogs sollte zum Content und vor allem zur Zielgruppe passen. Wenn Sie Bilder und Grafiken verwenden, achten Sie auf die Qualität. Hier sind ein paar Euro gut investiertes Geld. Eine gute Strukturierung der Seite mit benutzerfreundlicher Navigation ist an dieser Stelle Pflicht und eine gute Suchfunktion hat ebenfalls noch nie geschadet.

Eine Verschlagwortung relevanter Begriffe mit Hilfe einer so genannten Tag-Cloud Wolke kann nützlich sein, wenn der Besucher weitere Artikel zu gesuchten Begriffen finden möchte. Man sollte es aber nicht übertreiben. Viel hilft nicht immer viel. Ich kann mich an eine Textagentur erinnern, die jeden Blogartikel mit allen verfügbaren Begriffen verknüpft hatte, was den Begriff der Verschlagwortung ad absurdum führte und bei den Usern eher zu Frustration führte.

Lesbarkeit
„Ein der optischen Wahrnehmung unfähiges, gefiedertes, aber des Fliegens nicht mächtiges Haustier gelangt in den Besitz nicht näher definierter Sämereien.“

Alles verstanden?
Wenn nicht, trösten Sie sich mit dem Spruch, dass auch mal ein blindes Huhn ein Korn findet, denn nichts anderes besagt der Satz.
Vermeiden Sie Fachchinesisch. Nicht jeder Ihrer Besucher kennt die Fachterminologie. Schachtelsätze, die sich über einen kompletten Absatz erstrecken, erschrecken. Aufzählungen können helfen, wichtige Informationen besser zu verarbeiten.

Technik
Wenn die Zielgruppe Ihren Blog gerne mit Mobilgeräten besucht, sollte die Seite auch für mobile Endgeräte optimiert sein, also responsiv sein. Dieser Punkt ist vor allem im Hinblick auf Googles Absichten, den mobilen Index zukünftig zu bevorzugen, wichtig. Achten Sie auf die Ladezeiten. Bilder mit einer Größe im Megabyte-Bereich mögen optisch ansprechend sein, lange Ladezeiten sind aber Gift für die Besuchsdauer.

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